Turbo: Saubere Diagnose ist entscheidend

Ein Fehlercode zum Ladedruck bedeutet noch lange keinen Turboschaden. Alexander Bentenrieder von BTS Turbo zeigte an der SAS, weshalb Werkstätten genauer hinschauen sollten und warum Turbolader sie noch lange beschäftigen werden.
Wer ihm zuhörte, merkte schnell: Dieser Mann brennt für sein Fachgebiet. Alexander Bentenrieder vom deutschen Turbolader-Spezialisten BTS Turbo nutzte seinen Fachvortrag für ein deutliches Plädoyer. Ziemlich am Anfang seines spannenden Monologs fiel der Satz: «Turbolader sind wichtiger denn je.»
Das hat seine Gründe. Die Zeiten der grossvolumigen Saugmotoren seien vorbei, erklärte er. Um die CO₂- und Verbrauchsziele zu erreichen, müssten Motoren kleiner und effizienter werden. «Was hat man früher im Saugerbereich für Motoren gebraucht, um auf 300 PS zu kommen? Riesendinger.» Heute lasse sich dank Turboladern aus deutlich weniger Hubraum sehr viel Leistung holen. «Wenn Downsizing gut gemacht und der Motor robust ist, spricht eigentlich nichts dagegen.»
Und auch bezüglich Effizienz sieht Bentenrieder den Abgasturbolader im Vorteil. Im Gegensatz zu einem E-Booster brauche er keine zusätzliche Energie aus der Batterie. Stattdessen nutzt er die Energie des Abgases, die sonst weitgehend verloren ginge. Deshalb werde der Turbolader weiterhin eine wichtige Rolle spielen, zumal es in Zukunft nur noch aufgeladene Verbrenner geben werde. Kurz: «Wir werden noch mehr mit Turboladern zu tun haben.»
Die Ursache liegt oft woanders
Umso wichtiger werde eine saubere Diagnose. Gerade beim Turbolader werde in Werkstätten noch zu oft vorschnell gehandelt, so Bentenrieder. «Der Kunde kommt, die Lampe leuchtet, ihr lest den Fehlerspeicher aus, und dann steht da der Klassiker: Ladedruck-Regelgrenze unterschritten.» Nicht selten folge darauf sofort der Austausch des Turboladers. «Komischerweise schaltet man in vielen Werkstätten das Hirn aus und baut einfach mal einen neuen Turbolader ein.»

Dabei könne die Ursache ganz woanders liegen. Ein undichtes Ladeluftsystem sei nur eine Möglichkeit, ebenso komme etwa ein verstopfter Partikelfilter infrage. «Wir haben regelmässig Gewährleistungsfälle, bei denen schon der dritte Turbolader innerhalb einer Woche eingebaut wurde. Dann muss man sich irgendwann fragen: Liegt es vielleicht doch an etwas anderem?»
Gerade ein zu hoher Abgasgegendruck werde bei der Diagnose oft nicht geprüft. Bentenrieder empfiehlt deshalb, den Abgasgegendruck vor dem Partikelfilter mit einem Manometer und unter Last zu messen. «Am besten manuell», betonte er. Denn auch Sensorwerte könnten täuschen, etwa wenn eine Leitung des Druckdifferenzsensors beschädigt sei.
Das ganze System im Blick
Der Technikexperte erläuterte verschiedene Beispiele, die vor allem eines zeigen sollten: Ein Fehlercode ist erst der Ausgangspunkt der Diagnose. Ans Publikum gerichtet sagte er: «Ihr müsst technisch nicht alles bis ins Detail wissen. Wichtig ist, dass ihr versteht, dass ihr manchmal über drei Umwege denken müsst.»
Mit den schnellen Prüfungen komme man vielleicht in 70 Prozent der Fälle durch, problematisch seien jedoch die übrigen 30 Prozent. «Das sind die Fälle, bei denen man ständig Ärger hat, der Kostenaufwand explodiert und das Auto vielleicht schon in drei Werkstätten war.» Gerade dann müsse man die Diagnose konsequent bis zum Schluss durchführen. Wer dabei Unterstützung brauche, solle sich das nötige Fachwissen holen oder einen kompetenten Partner beiziehen. Denn: «Mit Youtube kommt ihr da nicht weiter.»
Wer noch mehr kostenloses Werkstattwissen mitnehmen will, hat auch am Samstag Gelegenheit dazu: Ab 10:00 Uhr stehen weitere Fachvorträge und Live-Demos auf dem Programm.