6. Rep-Talk 2026 zum Thema KI

Auch an der diesjährigen SAS wurde wieder ein Rep-Talk aufgenommen. Dieses Mal ging es um Künstliche Intelligenz in der Carrosserie-Branche und die steigenden Erwartungen von Versicherungen und Flottenanbietern an die Branche.
«Wir sind erst vor vier Jahren in den Carrosserie-Bereich eingestiegen und haben mit unserem Partner Axalta Axcess Switzerland GmbH alles aufgebaut», führt Karl Heusi, CEO von Derendinger, zum Start aus. «Wir haben eine ganze Struktur mit Aussendienstmitarbeitern, Category Managern etc. aufgebaut, sind aber eigentlich immer noch ein Start-up im Bereich Carrosserie. Sehen hier aber grosses Potenzial.» Heusi sieht Derendinger als Robin Hood der Branche und liefert darum Ersatz- und Originalteile zu sehr spannenden Preisen und bekämpft so die sich stetig drehende Preisspirale in der Carrosserie-Branche.
«Wir sehen KI als ideal, um die sequenziellen Abläufe und Arbeitsschritte in Reparaturprozessen für Carrosserien und Autohäuser zu verbessern», so Alexander Grimm, CEO & Co-Founder der Aspaara AG. Für ihn wird KI in der Prozessplanung für die Autoreparatur unabdingbar. «KI kann Muster super erkennen und wird dabei auch nicht müde. Man kann viel schneller auf neue Situationen und Ausfälle reagieren», so Grimm. «Beispielsweise kommt ein Kunde nicht, ein Ersatzteil fehlt oder ein Mitarbeitender ist krank. Darauf kann die KI besser reagieren, und wir wollen damit auch nicht Fachkräfte ersetzen, sondern ihnen clevere Tools zur Seite stellen.»

Für Lars Fredrickesen, Inhaber und Geschäftsführer einer modernen Carrosserie in Wilderswil BE mit 28 Mitarbeitenden, lassen sich nur mit effizienten Prozessen in Zukunft grosse Volumen mit guter Qualität verarbeiten. «Der KI die Planung komplett überlassen, das würde ich trotzdem nicht.» In der Carrosserie Frederiksen AG wird zwar KI fürs Fahrzeugscannen genutzt, aber der Versuch mit einem Bot für Telefonbeantwortungen wurde beispielsweise wieder eingestellt.
Daniel Fuchs, CEO und Inhaber der Cartec Autotechnik Fuchs, findet genau solches Ausprobieren von KI extrem wertvoll. «Wir entwickeln Tools für Carrossiers, die Erfolg versprechen und beispielsweise händisches Anschleifen obsolet machen. Wir lernen täglich mit KI dazu, und es ist wichtig, dass Mitarbeiter auch damit rumspielen.» Man müsse Fehler mit der KI machen dürfen, um sie besser zu verstehen und effizienter einzusetzen. Alexander Grimm pflichtete ihm im Rep-Talk mit Moderator Enzo Santarsiero bei, vor allem weil im Carrosserie-Betrieb selbst keiner sage: Super, nun haben wir KI. «Ich erläutere dann immer, dass KI mit Google Maps zu vergleichen ist. Google Maps hilft dir, den besten Weg zu finden, aber du kannst immer noch selbst entscheiden, ob du links oder rechts abbiegen willst.»

Die Abbiegung Richtung KI hat natürlich auch Derendinger längst genommen. «Wir programmieren, wir testen intensiv mit KI und können hier viel Effizienz gewinnen. Im Hintergrund ist sie extrem wertvoll», so Derendinger-CEO Karl Heusi. «Die Präzision bei der Teileerkennung ist für uns extrem wichtig, und auch da kann KI helfen. Ich denke, wir werden noch viele Veränderungen sehen, aber eher im Hintergrund.» Für alle Rep-Talk-Teilnehmenden ist zudem klar, dass es in der Zusammenarbeit mit Versicherungen und Fuhrparkanbietern zwar nicht zwingend KI, aber mehr Digitalisierung braucht, will man erfolgreich bleiben. «Durchgängige Datenflüsse von der Schadenaufnahme bis zur Abrechnung sind bei den Versicherungen, Fuhrparkanbietern und Flotten extrem wichtig», so Karl Heusi. «Der wirtschaftliche Totalschaden tritt nach einem Unfall leider immer häufiger ein. Das ist nicht nachhaltig, aber bei den steigenden Reparaturpreisen die logische Konsequenz.» Daher müsse man mit mehr Effizienz und Digitalisierung dagegenhalten und die Prozesse optimieren können. Denn wenn man die Durchlaufzeiten verkürzen könne, dann profitierten am Schluss der Kunde, die Versicherung und der Carrossier, weil insgesamt mehr Arbeiten erledigt werden könnten.
Der ganze Rep-Talk, der live während der SAS 2026 in Bern aufgenommen wurde, wird ab dem 4. Sept. ab 17 Uhr online unter reptalk.ch verfügbar sein.