Auch Partikelfilter brauchen Zeit

Auch Partikelfilter brauchen Zeit
29.08.2026Swiss Automotive ShowAcademy

Rund eine Million Dieselautos mit Partikelfilter sind auf Schweizer Strassen unterwegs. Was Werkstätten bei Diagnose und Ersatz beachten sollten, zeigte die Derendinger Academy an der SAS. Inklusive eines Tipps, der selbst den Referenten einst überraschte.

Morgens den Partikelfilter wechseln und am Nachmittag direkt zur MFK? Das könne gutgehen, aber auch Probleme geben, erklärte Lukas Flüeler, Referent der Derendinger Academy, in seinem Fachvortrag. Der Grund: Auch ein neuer Partikelfilter müsse zunächst eingefahren werden. «Das wusste ich selbst nicht.» Dabei bilde sich im Filter eine erste Russschicht, die nötig sei, damit dieser richtig arbeiten könne. Flüeler empfiehlt deshalb, den Wechsel entsprechend zu planen und das Fahrzeug vor der Prüfung noch einige Zeit zu bewegen.

Seine zentrale Botschaft war jedoch eine andere: Ein Partikelfilter sollte nie isoliert betrachtet werden. Denn an der Entstehung und Reduktion von Partikeln seien zahlreiche Komponenten beteiligt. Stimmen etwa Kompression, Einspritzung oder Sensorwerte nicht, könne der vermeintlich defekt Filter zwar ersetzt werden, die eigentliche Ursache bleibe aber bestehen. «Dann haben wir bald wieder dasselbe Problem, und das Spielchen geht von vorne los», so Flüeler.

Defekter Filter, hohe Emissionen
Dass das Thema relevant ist, zeigen auch die Zahlen. In der Schweiz fahren rund 1,2 Millionen Dieselfahrzeuge. Schätzungsweise 85 bis 90 Prozent davon verfügen über einen Dieselpartikelfilter, also gut eine Million Fahrzeuge. Seit Anfang 2023 wird in der Schweiz bei Dieselfahrzeugen der Abgasnorm Euro 5b und neuer die Partikelanzahl am Endrohr gemessen. Dabei fallen rund drei bis fünf Prozent der Fahrzeuge durch. Das klingt zunächst nach wenig. Ein defekter Filter könne jedoch bis zu 1000-mal mehr Partikel ausstossen als ein korrekt funktionierender. Weil die Partikel moderner Dieselmotoren so winzig sind, dass die frühere Trübungsmessung sie nicht mehr zuverlässig erfasste, wird heute ihre Anzahl gemessen. Der Grenzwert liegt bei 250'000 Partikeln pro Kubikzentimeter.

Für die Werkstatt hatte Flüeler vor allem praktische Ratschläge: Vor einem Ersatz des Dieselpartikelfilters mit dem Kunden sprechen, mögliche Ursachen klären, das Umfeld des Filters und die Sensorwerte prüfen. Nach dem Einbau Lernwerte löschen beziehungsweise den Filter codieren und adaptieren – und ihn anschliessend 500 bis 1000 Kilometer einfahren. Nur den Filter zu wechseln, sei schlicht zu kurz gegriffen.

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